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|Wettb = [[Gauliga Mitte]] Hinrunde | |||
|Saison = [[Saison 1933/1934]] | |||
|Ansetz = VfL Bitterfeld : 1.SV Jena | |||
|Ort = Städtisches Stadion in Bitterfeld | |||
|Zeit = So 22.10.1933 | |||
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|Schiri = Schmidt (Greppin) | |||
|Resul = 4:2 (2:1) | |||
|Tore = | |||
* 0:1 Bachmann (3.) | |||
* 1:1 Bunge | |||
* 2:1 Arndt (30.) | |||
* 3:1 ? | |||
* 4:1 ? | |||
* 4:2 Werner (82.) | |||
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==Aufstellungen== | |||
; Bitterfeld : | |||
:Linke | |||
:Grollmütz , Schmidt | |||
:Lange , Conrad , Kampar | |||
:Bunge , Arndt , Hollmann , Schönfeld , Bornemann | |||
Verletzt : Sztuck | |||
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:Großkopf | |||
:Opatz , Ketteritzsch | |||
:Sturm , Werner , Grübner | |||
:Kind , Thier , Bachmann , Schüßler , Kleinsteuber | |||
==Spielbericht== | |||
===Schiedsrichtertragödie in Bitterfeld=== | |||
Man muß schon in der Geschichte des Jenaer Sportes weit zurückgehen , um eine ähnliche klägliche Schiedsrichterleistung zu finden wie im gestrigen Spiel in Bitterfeld , in dem der 1.Sportverein durch eine Häufung unglücklicher Verletzungen unter Leitung von '''Schmidt''' aus Greppin zunächst von der Tabellenspitze verdrängt wurde . Es erhebt sich mit den für einen Gauligakampf katastrophalen Begleitumständen zunächst für den kritischen Beurteiler die Frage , ob die Fußballsportbehörden die augenblickliche Regelung des '''Schiedsrichterwesens''' nicht einer '''dringend nötigen Aenderung''' unterziehen wollen , da doch aus dem gesamten Gebiet des Gaues Mitte berechtigte Klagen über die Fähigkeiten vieler Schiedsrichter einlaufen . Das Sportpublikum verlangt nachdrücklichst nach einer solchen Aenderung , um Zuständen ein Ende zu machen , die bestimmt nicht die Spielkultur heben werden . Das sei vorausgeschickt , um das charakteristische Merkmal des Kampfes in Bitterfeld zu kennzeichnen . | |||
Ueber den '''Spielverlauf''' des unglücklichen Kampfes läßt sich folgendes berichten : Jena tritt in stärkster Aufstellung und ausgezeichneter Spielstimmung den Kampf an . Schon nach 3 Minuten gelingt es Bachmann , nach einem ausgezeichneten Zusammenspiel Werner-Schüßler , Kopfball zu Bachmann , den Ball am verdutzten Bitterfelder Torhüter vorbei einzulenken . Unmittelbar darauf ergibt sich aus einem Gedränge vor dem Bitterfelder Tor der erste unglückliche Zwischenfall . Schüßler erhält aus 2 Meter Entfernung einen furchtbar scharfen Ball vom Bitterfelder Verteidiger ins Gesicht geschossen , taumelt schwer angeschlagen die nächste Viertelstunde im Spielfeld herum . Dadurch war Jenas Mannschaft , die die ersten 10 Minuten in großer Form gespielt hatte , im Sturm auseinandergerissen . Zu allem Unglück erhält Grübner in der 11. Minute einen schweren Tritt und muß zeitweise ausscheiden . Nervosität und Härte im Spiel steigern sich , der Schieri ist Bitterfelder Verstößen gegenüber bedenklich nachsichtig . Im Gefolge solcher harten Spielhandlungen wird Sturm auch schwer angeschlagen , scheidet aus . In dieser Zeit schießt der Rechtsaußen Bitterfelds das Ausgleichstor . In der 30. Minuten des unschönen Kampfes wird der Verteidiger Opatz 6 Meter vor dem Tor beim Köpfen vom Bitterfelder Halbrechten in roher Weise zu Fall gebracht , man wartet auf Strafstoß des unmittelbar danebenstehenden Schiedsrichter , doch Herr Schmidt-Greppin pfeift nur den Torschuß ab . Bitterfeld führt 2:1 . Selbst das Publikum gibt lauten Unwillen über die die Haltung des Schiedsrichters kund , der den Kampf nun vollends aus der Hand gleiten läßt . Von Schönheit im Spiel ist nichts mehr zu merken . | |||
Nach der Pause geht die Tragikomödie weiter . Bereits in der 10. Minute muß Sturm das Spielfeld endgültig verlassen (Beinbruch) . Kind nimmt seine Stelle ein . Bitterfeld drängt begreiflicherweise auf Erhöhung der Torzahl . Ungenaues Abspiel der sichtlich deprimierten Jenenser erleichtert dem Gegner diese Absicht . | |||
Trotzdem erzwingt Jena mehrere günstige Torsituationen . In dieser Phase zeigt sich die Haltung des Schiedsrichters besonders deutlich , denn bei jedem Vorstoß Jenas pfiff Schmidt sämtliche Vorstöße der harten Bitterfelder nur dann ab , wenn Jenas Sturm trotz des Fehlers auf Gegners Seite noch im Vorteil lag und wenn es am Bitterfelder Tor brannte . Bitterfeld setzt sich gegen Ende des Spieles mit 2 weiteren Toren im Vorteil . 8 Minuten vor Schluß kann Werner auf 4:2 für Jena erhöhen . Thier hat Gelegenheit , unmittelbar darauf ein drittes Tor zu schießen , setzt aber den Ball daneben . Kurz vor Schluß artet das Spiel förmlich aus . Alles ist froh , den Schlußpfiff zum Abbruch des fragwürdigen Kampfes zu hören . Eine Kritik der Jenaer Mannschaft ist unter den angeführten Umständen nicht gut möglich . Ganz groß hielt sich der übrigens auch verletzte Ketteritzsch . Die größte Leistung vollbrachte unzweifelhaft Schüßler , der in heroischer Ueberwindung furchtbarer Schmerzen 85 Minuten lang mit ausgehakter Kinnlade spielte . Erst die ärztliche Behandlung ergab diesen Tatbestand . Großkopf konnte die beiden letzten Tore vielleicht verhindern , seine Knieverletzung hemmte aber seine Beweglichkeit . Die Bitterfelder Mannschaft war über alles Erwarten unerlaubt hart . Besonders '''unfair''' die Außenläufer . In der Hand eines einwandfreien Schiedsrichters hätte der Kampf wohl ein anderes Ende genommen . Herr Schmidt-Greppin konnte leider nur den schiefen Turm in der Schlacht bilden . So möchten wie auch auswärts Fußball nicht wieder erleben . | |||
Bericht von n. im Jenaer Tagesblatt vom 23. 10.1933 | |||
==Spiele== | |||
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Aktuelle Version vom 16. April 2026, 12:20 Uhr
| Spieldaten | |
| Wettbewerb | Gauliga Mitte Hinrunde |
| Saison | Saison 1933/1934 |
| Ansetzung | VfL Bitterfeld : 1.SV Jena |
| Ort | Städtisches Stadion in Bitterfeld |
| Zeit | So 22.10.1933 |
| Zuschauer | |
| Schiedsrichter | Schmidt (Greppin) |
| Ergebnis | 4:2 (2:1) |
| Tore |
|
| Andere Spiele oder Berichte |
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Aufstellungen
- Bitterfeld
- Linke
- Grollmütz , Schmidt
- Lange , Conrad , Kampar
- Bunge , Arndt , Hollmann , Schönfeld , Bornemann
Verletzt : Sztuck
- Jena
- Großkopf
- Opatz , Ketteritzsch
- Sturm , Werner , Grübner
- Kind , Thier , Bachmann , Schüßler , Kleinsteuber
Spielbericht
Schiedsrichtertragödie in Bitterfeld
Man muß schon in der Geschichte des Jenaer Sportes weit zurückgehen , um eine ähnliche klägliche Schiedsrichterleistung zu finden wie im gestrigen Spiel in Bitterfeld , in dem der 1.Sportverein durch eine Häufung unglücklicher Verletzungen unter Leitung von Schmidt aus Greppin zunächst von der Tabellenspitze verdrängt wurde . Es erhebt sich mit den für einen Gauligakampf katastrophalen Begleitumständen zunächst für den kritischen Beurteiler die Frage , ob die Fußballsportbehörden die augenblickliche Regelung des Schiedsrichterwesens nicht einer dringend nötigen Aenderung unterziehen wollen , da doch aus dem gesamten Gebiet des Gaues Mitte berechtigte Klagen über die Fähigkeiten vieler Schiedsrichter einlaufen . Das Sportpublikum verlangt nachdrücklichst nach einer solchen Aenderung , um Zuständen ein Ende zu machen , die bestimmt nicht die Spielkultur heben werden . Das sei vorausgeschickt , um das charakteristische Merkmal des Kampfes in Bitterfeld zu kennzeichnen .
Ueber den Spielverlauf des unglücklichen Kampfes läßt sich folgendes berichten : Jena tritt in stärkster Aufstellung und ausgezeichneter Spielstimmung den Kampf an . Schon nach 3 Minuten gelingt es Bachmann , nach einem ausgezeichneten Zusammenspiel Werner-Schüßler , Kopfball zu Bachmann , den Ball am verdutzten Bitterfelder Torhüter vorbei einzulenken . Unmittelbar darauf ergibt sich aus einem Gedränge vor dem Bitterfelder Tor der erste unglückliche Zwischenfall . Schüßler erhält aus 2 Meter Entfernung einen furchtbar scharfen Ball vom Bitterfelder Verteidiger ins Gesicht geschossen , taumelt schwer angeschlagen die nächste Viertelstunde im Spielfeld herum . Dadurch war Jenas Mannschaft , die die ersten 10 Minuten in großer Form gespielt hatte , im Sturm auseinandergerissen . Zu allem Unglück erhält Grübner in der 11. Minute einen schweren Tritt und muß zeitweise ausscheiden . Nervosität und Härte im Spiel steigern sich , der Schieri ist Bitterfelder Verstößen gegenüber bedenklich nachsichtig . Im Gefolge solcher harten Spielhandlungen wird Sturm auch schwer angeschlagen , scheidet aus . In dieser Zeit schießt der Rechtsaußen Bitterfelds das Ausgleichstor . In der 30. Minuten des unschönen Kampfes wird der Verteidiger Opatz 6 Meter vor dem Tor beim Köpfen vom Bitterfelder Halbrechten in roher Weise zu Fall gebracht , man wartet auf Strafstoß des unmittelbar danebenstehenden Schiedsrichter , doch Herr Schmidt-Greppin pfeift nur den Torschuß ab . Bitterfeld führt 2:1 . Selbst das Publikum gibt lauten Unwillen über die die Haltung des Schiedsrichters kund , der den Kampf nun vollends aus der Hand gleiten läßt . Von Schönheit im Spiel ist nichts mehr zu merken .
Nach der Pause geht die Tragikomödie weiter . Bereits in der 10. Minute muß Sturm das Spielfeld endgültig verlassen (Beinbruch) . Kind nimmt seine Stelle ein . Bitterfeld drängt begreiflicherweise auf Erhöhung der Torzahl . Ungenaues Abspiel der sichtlich deprimierten Jenenser erleichtert dem Gegner diese Absicht . Trotzdem erzwingt Jena mehrere günstige Torsituationen . In dieser Phase zeigt sich die Haltung des Schiedsrichters besonders deutlich , denn bei jedem Vorstoß Jenas pfiff Schmidt sämtliche Vorstöße der harten Bitterfelder nur dann ab , wenn Jenas Sturm trotz des Fehlers auf Gegners Seite noch im Vorteil lag und wenn es am Bitterfelder Tor brannte . Bitterfeld setzt sich gegen Ende des Spieles mit 2 weiteren Toren im Vorteil . 8 Minuten vor Schluß kann Werner auf 4:2 für Jena erhöhen . Thier hat Gelegenheit , unmittelbar darauf ein drittes Tor zu schießen , setzt aber den Ball daneben . Kurz vor Schluß artet das Spiel förmlich aus . Alles ist froh , den Schlußpfiff zum Abbruch des fragwürdigen Kampfes zu hören . Eine Kritik der Jenaer Mannschaft ist unter den angeführten Umständen nicht gut möglich . Ganz groß hielt sich der übrigens auch verletzte Ketteritzsch . Die größte Leistung vollbrachte unzweifelhaft Schüßler , der in heroischer Ueberwindung furchtbarer Schmerzen 85 Minuten lang mit ausgehakter Kinnlade spielte . Erst die ärztliche Behandlung ergab diesen Tatbestand . Großkopf konnte die beiden letzten Tore vielleicht verhindern , seine Knieverletzung hemmte aber seine Beweglichkeit . Die Bitterfelder Mannschaft war über alles Erwarten unerlaubt hart . Besonders unfair die Außenläufer . In der Hand eines einwandfreien Schiedsrichters hätte der Kampf wohl ein anderes Ende genommen . Herr Schmidt-Greppin konnte leider nur den schiefen Turm in der Schlacht bilden . So möchten wie auch auswärts Fußball nicht wieder erleben .
Bericht von n. im Jenaer Tagesblatt vom 23. 10.1933
Spiele
22.10.33

- SpVgg Erfurt : Fortuna Magdeburg 3:2
- Wacker Halle : Preußen Magdeburg 5:1
- SV Steinach 08 : SC Erfurt 5:1
- Viktoria 96 Magdeburg : SV Merseburg 99 1:1
- VfL Bitterfeld : 1.SV Jena 4:2