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|Zeit = So 22.10.1933
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:Grollmütz , Schmidt
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:Bunge , Arndt , Hollmann , Schönefeld , Bornemann
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Verletzt : Sztuck
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:Großkopf
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:Opatz , Ketteritzsch
:Sturm , Werner , Grübner  
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:Thier , ? , Bachmann , Schüßler , ?
:Kind , Thier , Bachmann , Schüßler , Kleinsteuber


==Spielbericht==
==Spielbericht==
===Schiedsrichtertragödie in Bitterfeld===
Man muß schon in der Geschichte des Jenaer Sportes weit zurückgehen , um eine ähnliche klägliche Schiedsrichterleistung zu finden wie im gestrigen Spiel in Bitterfeld , in dem der 1.Sportverein durch eine Häufung unglücklicher Verletzungen unter Leitung von '''Schmidt''' aus Greppin zunächst von der Tabellenspitze verdrängt wurde . Es erhebt sich mit den für einen Gauligakampf katastrophalen Begleitumständen zunächst für den kritischen Beurteiler die Frage , ob die Fußballsportbehörden die augenblickliche Regelung des '''Schiedsrichterwesens''' nicht einer '''dringend nötigen Aenderung''' unterziehen wollen , da doch aus dem gesamten Gebiet des Gaues Mitte berechtigte Klagen über die Fähigkeiten vieler Schiedsrichter einlaufen . Das Sportpublikum verlangt nachdrücklichst nach einer solchen Aenderung , um Zuständen ein Ende zu machen , die bestimmt nicht die Spielkultur heben werden . Das sei vorausgeschickt , um das charakteristische Merkmal des Kampfes in Bitterfeld zu kennzeichnen .
Ueber den '''Spielverlauf''' des unglücklichen Kampfes läßt sich folgendes berichten : Jena tritt in stärkster Aufstellung und ausgezeichneter Spielstimmung den Kampf an . Schon nach 3 Minuten gelingt es Bachmann , nach einem ausgezeichneten Zusammenspiel Werner-Schüßler , Kopfball zu Bachmann , den Ball am verdutzten Bitterfelder Torhüter vorbei einzulenken . Unmittelbar darauf ergibt sich aus einem Gedränge vor dem Bitterfelder Tor der erste unglückliche Zwischenfall . Schüßler erhält aus 2 Meter Entfernung einen furchtbar scharfen Ball vom Bitterfelder Verteidiger ins Gesicht geschossen , taumelt schwer angeschlagen die nächste Viertelstunde im Spielfeld herum . Dadurch war Jenas Mannschaft , die die ersten 10 Minuten in großer Form gespielt hatte , im Sturm auseinandergerissen . Zu allem Unglück erhält Grübner in der 11. Minute einen schweren Tritt und muß zeitweise ausscheiden . Nervosität und Härte im Spiel steigern sich , der Schieri ist Bitterfelder Verstößen gegenüber bedenklich nachsichtig . Im Gefolge solcher harten Spielhandlungen wird Sturm auch schwer angeschlagen , scheidet aus . In dieser Zeit schießt der Rechtsaußen Bitterfelds das Ausgleichstor . In der 30. Minuten des unschönen Kampfes wird der Verteidiger Opatz 6 Meter vor dem Tor beim Köpfen vom Bitterfelder Halbrechten in roher Weise zu Fall gebracht , man wartet auf Strafstoß des unmittelbar danebenstehenden Schiedsrichter , doch Herr Schmidt-Greppin pfeift nur den Torschuß ab . Bitterfeld führt 2:1 . Selbst das Publikum gibt lauten Unwillen über die die Haltung des Schiedsrichters kund , der den Kampf nun vollends aus der Hand gleiten läßt . Von Schönheit im Spiel ist nichts mehr zu merken .
Nach der Pause geht die Tragikomödie weiter . Bereits in der 10. Minute muß Sturm das Spielfeld endgültig verlassen (Beinbruch) . Kind nimmt seine Stelle ein . Bitterfeld drängt begreiflicherweise auf Erhöhung der Torzahl . Ungenaues Abspiel der sichtlich deprimierten Jenenser erleichtert dem Gegner diese Absicht .
Trotzdem erzwingt Jena mehrere günstige Torsituationen . In dieser Phase zeigt sich die Haltung des Schiedsrichters besonders deutlich , denn bei jedem Vorstoß Jenas pfiff Schmidt sämtliche Vorstöße der harten Bitterfelder nur dann ab , wenn Jenas Sturm trotz des Fehlers auf Gegners Seite noch im Vorteil lag und wenn es am Bitterfelder Tor brannte . Bitterfeld setzt sich gegen Ende des Spieles mit 2 weiteren Toren im Vorteil . 8 Minuten vor Schluß kann Werner auf 4:2 für Jena erhöhen . Thier hat Gelegenheit , unmittelbar darauf ein drittes Tor zu schießen , setzt aber den Ball daneben . Kurz vor Schluß artet das Spiel förmlich aus . Alles ist froh , den Schlußpfiff zum Abbruch des fragwürdigen Kampfes zu hören . Eine Kritik der Jenaer Mannschaft ist unter den angeführten Umständen nicht gut möglich . Ganz groß hielt sich der übrigens auch verletzte Ketteritzsch . Die größte Leistung vollbrachte unzweifelhaft Schüßler , der in heroischer Ueberwindung furchtbarer Schmerzen 85 Minuten lang mit ausgehakter Kinnlade spielte . Erst die ärztliche Behandlung ergab diesen Tatbestand . Großkopf konnte die beiden letzten Tore vielleicht verhindern , seine Knieverletzung hemmte aber seine Beweglichkeit . Die Bitterfelder Mannschaft war über alles Erwarten unerlaubt hart . Besonders '''unfair''' die Außenläufer . In der Hand eines einwandfreien Schiedsrichters hätte der Kampf wohl ein anderes Ende genommen . Herr Schmidt-Greppin konnte leider nur den schiefen Turm in der Schlacht bilden . So möchten wie auch auswärts Fußball nicht wieder erleben .
Bericht von n. im Jenaer Tagesblatt vom 23. 10.1933


==Spiele==
==Spiele==

Aktuelle Version vom 16. April 2026, 12:20 Uhr

Spieldaten
Wettbewerb Gauliga Mitte Hinrunde
Saison Saison 1933/1934
Ansetzung VfL Bitterfeld : 1.SV Jena
Ort Städtisches Stadion in Bitterfeld
Zeit So 22.10.1933
Zuschauer
Schiedsrichter Schmidt (Greppin)
Ergebnis 4:2 (2:1)
Tore
  • 0:1 Bachmann (3.)
  • 1:1 Bunge
  • 2:1 Arndt (30.)
  • 3:1 ?
  • 4:1 ?
  • 4:2 Werner (82.)
Andere Spiele
oder Berichte

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Aufstellungen

Bitterfeld
Linke
Grollmütz , Schmidt
Lange , Conrad , Kampar
Bunge , Arndt , Hollmann , Schönfeld , Bornemann

Verletzt : Sztuck

Jena
Großkopf
Opatz , Ketteritzsch
Sturm , Werner , Grübner
Kind , Thier , Bachmann , Schüßler , Kleinsteuber

Spielbericht

Schiedsrichtertragödie in Bitterfeld

Man muß schon in der Geschichte des Jenaer Sportes weit zurückgehen , um eine ähnliche klägliche Schiedsrichterleistung zu finden wie im gestrigen Spiel in Bitterfeld , in dem der 1.Sportverein durch eine Häufung unglücklicher Verletzungen unter Leitung von Schmidt aus Greppin zunächst von der Tabellenspitze verdrängt wurde . Es erhebt sich mit den für einen Gauligakampf katastrophalen Begleitumständen zunächst für den kritischen Beurteiler die Frage , ob die Fußballsportbehörden die augenblickliche Regelung des Schiedsrichterwesens nicht einer dringend nötigen Aenderung unterziehen wollen , da doch aus dem gesamten Gebiet des Gaues Mitte berechtigte Klagen über die Fähigkeiten vieler Schiedsrichter einlaufen . Das Sportpublikum verlangt nachdrücklichst nach einer solchen Aenderung , um Zuständen ein Ende zu machen , die bestimmt nicht die Spielkultur heben werden . Das sei vorausgeschickt , um das charakteristische Merkmal des Kampfes in Bitterfeld zu kennzeichnen .

Ueber den Spielverlauf des unglücklichen Kampfes läßt sich folgendes berichten : Jena tritt in stärkster Aufstellung und ausgezeichneter Spielstimmung den Kampf an . Schon nach 3 Minuten gelingt es Bachmann , nach einem ausgezeichneten Zusammenspiel Werner-Schüßler , Kopfball zu Bachmann , den Ball am verdutzten Bitterfelder Torhüter vorbei einzulenken . Unmittelbar darauf ergibt sich aus einem Gedränge vor dem Bitterfelder Tor der erste unglückliche Zwischenfall . Schüßler erhält aus 2 Meter Entfernung einen furchtbar scharfen Ball vom Bitterfelder Verteidiger ins Gesicht geschossen , taumelt schwer angeschlagen die nächste Viertelstunde im Spielfeld herum . Dadurch war Jenas Mannschaft , die die ersten 10 Minuten in großer Form gespielt hatte , im Sturm auseinandergerissen . Zu allem Unglück erhält Grübner in der 11. Minute einen schweren Tritt und muß zeitweise ausscheiden . Nervosität und Härte im Spiel steigern sich , der Schieri ist Bitterfelder Verstößen gegenüber bedenklich nachsichtig . Im Gefolge solcher harten Spielhandlungen wird Sturm auch schwer angeschlagen , scheidet aus . In dieser Zeit schießt der Rechtsaußen Bitterfelds das Ausgleichstor . In der 30. Minuten des unschönen Kampfes wird der Verteidiger Opatz 6 Meter vor dem Tor beim Köpfen vom Bitterfelder Halbrechten in roher Weise zu Fall gebracht , man wartet auf Strafstoß des unmittelbar danebenstehenden Schiedsrichter , doch Herr Schmidt-Greppin pfeift nur den Torschuß ab . Bitterfeld führt 2:1 . Selbst das Publikum gibt lauten Unwillen über die die Haltung des Schiedsrichters kund , der den Kampf nun vollends aus der Hand gleiten läßt . Von Schönheit im Spiel ist nichts mehr zu merken .

Nach der Pause geht die Tragikomödie weiter . Bereits in der 10. Minute muß Sturm das Spielfeld endgültig verlassen (Beinbruch) . Kind nimmt seine Stelle ein . Bitterfeld drängt begreiflicherweise auf Erhöhung der Torzahl . Ungenaues Abspiel der sichtlich deprimierten Jenenser erleichtert dem Gegner diese Absicht . Trotzdem erzwingt Jena mehrere günstige Torsituationen . In dieser Phase zeigt sich die Haltung des Schiedsrichters besonders deutlich , denn bei jedem Vorstoß Jenas pfiff Schmidt sämtliche Vorstöße der harten Bitterfelder nur dann ab , wenn Jenas Sturm trotz des Fehlers auf Gegners Seite noch im Vorteil lag und wenn es am Bitterfelder Tor brannte . Bitterfeld setzt sich gegen Ende des Spieles mit 2 weiteren Toren im Vorteil . 8 Minuten vor Schluß kann Werner auf 4:2 für Jena erhöhen . Thier hat Gelegenheit , unmittelbar darauf ein drittes Tor zu schießen , setzt aber den Ball daneben . Kurz vor Schluß artet das Spiel förmlich aus . Alles ist froh , den Schlußpfiff zum Abbruch des fragwürdigen Kampfes zu hören . Eine Kritik der Jenaer Mannschaft ist unter den angeführten Umständen nicht gut möglich . Ganz groß hielt sich der übrigens auch verletzte Ketteritzsch . Die größte Leistung vollbrachte unzweifelhaft Schüßler , der in heroischer Ueberwindung furchtbarer Schmerzen 85 Minuten lang mit ausgehakter Kinnlade spielte . Erst die ärztliche Behandlung ergab diesen Tatbestand . Großkopf konnte die beiden letzten Tore vielleicht verhindern , seine Knieverletzung hemmte aber seine Beweglichkeit . Die Bitterfelder Mannschaft war über alles Erwarten unerlaubt hart . Besonders unfair die Außenläufer . In der Hand eines einwandfreien Schiedsrichters hätte der Kampf wohl ein anderes Ende genommen . Herr Schmidt-Greppin konnte leider nur den schiefen Turm in der Schlacht bilden . So möchten wie auch auswärts Fußball nicht wieder erleben .

Bericht von n. im Jenaer Tagesblatt vom 23. 10.1933

Spiele

22.10.33

  • SpVgg Erfurt : Fortuna Magdeburg 3:2
  • Wacker Halle : Preußen Magdeburg 5:1
  • SV Steinach 08 : SC Erfurt 5:1
  • Viktoria 96 Magdeburg : SV Merseburg 99 1:1
  • VfL Bitterfeld : 1.SV Jena 4:2