1937/1938 03. Spieltag: 1. SV Jena - SV 99 Merseburg 2:1

Aus FCC-Wiki - Wiki vom FC Carl Zeiss Jena
(Weitergeleitet von 37/38 03)
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Spieldaten
Wettbewerb Gauliga Mitte, 3. Spieltag
Saison Saison 1937/1938, Hinrunde
Ansetzung 1. SV Jena - SV 99 Merseburg
Ort Stadion Jena
Zeit So. 17.10.1937 15:00
Zuschauer
Schiedsrichter Spittel (Erfurt)
Ergebnis 2:1 (1:1)
Tore
Andere Spiele
oder Berichte


Aufstellungen

Jena
Paul Günther
Hermann Schüßler, Walter Hädicke
Hermann Malter, Heinz Werner, Fred Harthaus
Heinz Kleinsteuber, Walter Bachmann, Ernst Bernhardt, Walter Paul, Bernhard Schipphorst

Trainer: Josef Pöttinger

Merseburg
Galander
Bach, Kilian II
Zeise, Steigermann, Gaudig
Hermann, Rösiger, Reinmann, Cäsar, Zangenberg

Spielbericht

Merseburg schlug sich tapfer

Es verwundert nicht sonderlich, daß die Merseburger so knapp in Jena verloren und daß sie auch die Möglichkeit des Ausgleiches hatten. Die Mannen um Reinmann sind besser als ihr Tabellenplatz und werden noch für Überraschungen sorgen. Vor allem fällt die große Schnelligkeit auf und eine gute Gleichmäßigkeit aller Mannschaftsteile. Die Merseburger hatten ihre Elf gegenüber ihrer Standardaufstellung ziemlich umgekrempelt: Kilian II in der Verteidigung, Gaudig als Läufer, Zangenberg im Sturm und, weil Franke fehlte, noch Cäsar im Sturm. Beim 1. SV Jena ging es darum, wer den verletzten (?) ersetzte. Statt des vorgesehenen Nachwuchsspielers Ganz tauchte wieder Kleinsteuber auf, der die Fußballschuhe schon an den Nagel hängen wollte, aber nun wieder trainiert und schon beim Schalkespiel für Rötschke einsprang. Da Jenas Läuferreihe mit Malter - Werner - Harthaus keiner Ergänzung bedarf, wurde Kleinsteuber als Rechtsaußen eingesetzt. Die Jenaer hielten nicht ganz, was man von ihnen erwartete. Die Schalkeform wurde nicht erreicht. Neben Unsicherheiten in der Deckung haperte es wieder im Sturm, namentlich innen. Vor allem gingen die Jenaer vom konsequenten Flachhalten des Balles ab, zu ihrem Nachteil. Natürlich richtete sich die besondere Aufmerksamkeit auf Bernhardt, den neuen Mittelstürmer der Jenaer. Man sah auch wieder prächtige Sachen von ihm, so daß überlegte Kopfballtor zum Ausgleich. Aber die Merseburger wußten schon, was mit Bernhardt los ist und deckten ihn eisern. Das wird wohl auch das weitere Schicksal des langen Wachtmeisters sein. Doch zeigte er, daß er sich auch bei mehreren Gegnern nicht vom Schießen abhalten läßt.

Einen kleinen Dämpfer hat der 1. SV Jena nun schon bekommen,- er hat gesehen, daß sich eine "Schalkeform" nicht dauernd erreichen läßt, zumal er es in den Punktkämpfen ja mit Mannschaften zu tun hat, die ein ganz anderes System spielen. Und gerade das liegt den Jenaern nicht so recht. Das war schon bei den Sportfreunden aus Halle so, das war es dann bei den Merseburgern und das wird auch am nächsten Sonntag so beim SC Erfurt sein. Die Dessauer sind da anders. Wo es sich aber um einen Gegner handelt, der eine ähnliche Spielauffassung hat, da sind die Jenaer in ihrem Element. Das zeigt das Spiel in Thüringen Weida und gegen Schalke. Es kommt also beim 1. SV darauf an, wie er sich gegen die Mannschaften mit ausgesprochenem Deckungsspiel und zugleich gradlinigem, ganz auf Zweckmäßigkeit und Erfolg eingestellten Stürmerspiel hält. So sehr wir zugeben können, daß es in dieser Beziehung bei den Jenaern besser geworden ist, ebenso sehr müssen wir aber Geduld üben und das Weitere abwarten. Frohe Kunde kommt ansonsten noch aus Jena. Die Stadtverwaltung hat in enger Zusammenarbeit mit der Geschäftsleitung der Firma Zeiß beschlossen, das östliche Saaleufer zwischen Jena und Wöllnitz großzügig auszubauen. Hier aber liegen die meisten Jenaer Sportplätze, so auch das Stadion des 1. SV Jena, das schon manchen Großkampf gesehen hat. Es entstehen dabei neue Sportplätze, eine große Zufahrtsstraße, ein großer Badeteich und ein Teich zum Rudern und Segeln, - kurz gesagt, es ist geplant aus den Anlagen auf den Wöllnitzer Wiesen eine der schönsten Sportstätten Mitteldeutschlands zu machen. Das wird nicht ohne Rückwirkung auf die Güte der Großveranstaltungen bleiben. (Bericht im Kicker vom 19.10.1937)

Das besondere Merkmal des Spiels: von Anfang an ungeheuer schnell trotz des schweren Bodens. Die Merseburger zeichneten sich darin besonders aus und konnten damit auch den 1. SV zuerst etwas aus der Fassung bringen. Schon in der dritten Minute schlechtes Decken der Jenaer, eine entschlossene Flanke des Linksaußen Hermann und ein direktes Verwandeln des Balles durch Cäsar: Merseburg führt 1:0! Es dauert eine Zeit, bis sich der 1. SV gefunden hat. Dann gibt es auch vor Galanders Heiligtum prächtige Szenen. Der Merseburger Torwart greift in bekannter Weise forsch ein, wobei aber manchmal sein Kasten ungedeckt ist. Bernhardt erfreut sich einer aufmerksamen zweifacher Bewachung, wie Merseburg überhaupt stark deckt. Doch auch die Jenaer spielen ausgesprochenes W-System mit zurückgezogenen Halbstürmern, während Merseburg mit drei oder vier Stürmern kämpft. Ein feines Bespiel für die Spielweise Bernhardts ist das Ausgleichstor. Es ist die 27. Minute: Werner schießt einen Strafstoß, Galander läuft heraus, um zu fausten, was ein Merseburger Verteidiger nicht sieht. Deshalb macht er nicht Platz und will köpfen. So kommt der Ball nicht weit weg, springt hoch und Bernhardt tippt ihn seelenruhig und überlegt mit dem Kopf ins leere Tor. Gleich darauf geht ein Schuß Bachmanns an den Pfosten und einer von Kleinsteuber an die Latte, - Galander hat neben seinem tüchtigen Können wieder einmal Glück. Noch mehrmals brennt es bei Merseburg, aber die Gäste lassen keinen Erfolg zu.

Nach dem Wechsel halten die Merseburger das Tempo weiter. Da, die dritte Ecke für Jena. Den von Kleinsteuber getretenen Ball berührt ein Merseburger vor Schipphorst mit der Hand. Den Elfmeter tritt Werner sicher ins Tor. Bei Jena wird jetzt Malter immer besser und kann mehrmals gefährliche Bälle abfangen. So geht es hin und her, Merseburg bleibt äußerst gefährlich, hat aber wie Jena kein Glück. Wir verzeichnen nochmals einen Lattenschuß von Kleinsteuber und einen von Rösiger, doch Tore fallen nicht mehr.

Zu sagen wäre, daß die Merseburger, wie schon erwähnt, sehr schnell waren und gut zuspielten, auch technisch gute Schulung verrieten. Es müßte komisch zugehen, wenn sie nicht noch für manchen Sieg in der Gauliga gut sind. Die Mannen um Reinmann sind alle von ausgeglichenem Können. Reinmann selbst gefiel prächtig in Ballführung und -verteilung, Rösiger war ein recht gefährlicher Halbstürmer. Nur Steigermann in der Mitte übersteigerte leider das an sich harte Spiel der Merseburger öfter ins Regelwidrige. Genannt seien noch der sympathische Verteidiger Bach und Torwart Galander, der sich vorbildlich einsetzt und gern sein Tor verläßt. Aber auch die übrigen Spieler waren kaum schlechter.

Bei den Jenaern wurde im allgemeinen zu hoch gespielt. Bei strikt flachgehaltenem Ball wäre sicher mehr herausgekommen. Dagegen gefiel gut das steile Zu- und Durchspiel, das früher eine Zeitlang vermißt wurde. Die Verteidigung, vor allem Schüßler, zeigte Schwächen, was Werner zu einem verstärkten Deckungsspiel zwang. Im Sturm richteten die Zuschauer ihre Blicke auf Bernhardt. Nun, er macht sich schon. Er hat diesmal auf dem schweren Boden gut durchgehalten, wenn er auch etwas langsam war. Aber alles, was er machte, hatte Hand und Fuß und war für den Gegner gefährlich. Deshalb wurde er auch ausgiebig bewacht. Sehr schön ist das placierte Kopfspiel Bernhardts und sein Schußvermögen auch bei größter Bedrängnis. Paul war diesmal schwächer, während Bachmann, namentlich im Feldspiel, ausgezeichnet den Ball führte. Die Außenstürmer entsprachen den Erwartungen, zum Teil kamen die Flanken aber zu weit vors Tor. Das Zuspiel des Sturms und der Läufer war nicht ganz genau, was sich bei der guten Deckungsarbeit der Gäste natürlich besonders auswirkte. Schiedsrichter Spittel, Erfurt, hatte keinen leichten Stand, doch ließ er sich nicht aus der Ruhe bringen, und das war gut so.

(Aus dem Bericht von W.M. in der Jenaischen Zeitung vom 18.10.1937)

Spiele

  • SV 05 Dessau : SC Erfurt 6:1
  • VfL Halle 96 : Spfr. Halle 2:2
  • SpVgg Erfurt : 1. FC Lauscha 2:1
  • Thüringen Weida : CV Magdeburg 3:1
  • 1. SV Jena : SV Merseburg 99 2:1