1939/1940: 1. SV Jena - SV Dessau 05 2:0
| Spieldaten | |
| Wettbewerb | Gauliga Mitte, 9. Spieltag |
| Saison | Saison 1939/1940, Rückrunde |
| Ansetzung | 1. SV Jena - SV Dessau 05 |
| Ort | Ernst-Abbe-Sportfeld in Jena |
| Zeit | So 28.01.1940 14:30 |
| Zuschauer | 5.000 |
| Schiedsrichter | Fischer (Weimar) |
| Ergebnis | 2:0 (1:0) |
| Tore | |
| Andere Spiele oder Berichte |
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Aufstellungen
- Jena
- Ehrenfried Patzel
- Hermann Schüßler, Walter Hädicke
- Heinz Werner, Kurt Beckert, Bernhard Schipphorst
- Herbert Gans, Otto Schulschefski, Walter Bachmann, Ludwig König, Schönborn
- Trainer: Rudolf Prokoph
- Dessau
- Kaßler
- Henze , Ziegler
- Sänger , Gehlert , Manthey
- Niemann , Trenkel , Nelson , Schmeißer , Emmerich
Spielbericht



Werner führte Jena zum Sieg !
Im Sportbereich Mitte ist die Vorentscheidung zur ersten Kriegsmeisterschaft bereits gefallen. Denn als solche muß man das neuerliche Treffen zwischen unseren beiden besten Waffen 1. SV Jena und Dessau 05 bezeichnen, die sich vor 5.000 Zuschauern im schönen Stadion in Jena gegenüberstanden. Endete der Vorkampf in Dessau 3:3 mit einem Ergebnis, das seinerzeit sogar etwas schmeichelhaft für Jena zu werten war, so kam es diesmal zu einem einwandfreien 2:0-(1:0)- Siege des Ersten Sportvereins. Die Thüringer haben damit ihre Vormachtstellung in unserem Sportbereich nachdrücklichst unterstrichen und behauptet. Mit nicht weniger als 5 Pluspunkten liegen jetzt die Jenaer an der Spitze der Tabelle, sie haben sich also, nachdem die Kämpfe um den Meistertitel bereits über die halbe Distanz gegangen sind, einen hübschen Vorsprung vor dem Tabellenzweiten gesichert, der - wir wollen nicht unken - sogar ausreichen sollte zur Erringung des Meistertitels. Denn wie die Lage gegenwärtig ist: Jenas Mannschaft leidet heute am wenigsten darunter, daß Ligaspieler zum Militärdienst einbezogen bzw. nach auswärts oder an die Front abkommandiert werden. In Dessau war man etwas verstimmt darüber, daß dieses wichtige Rückspiel so schnell angesetzt wurde. Aber Gaufachwart Hädicke tat es bewußt. Denn wir haben bereits Terminnot, so daß Hädicke die restlichen Meisterschaftsspiele neu eingeteilt und durch geschickte Ansetzung der wichtigen Kämpfe erreichen wird. Vielleicht geht dies zu einem gewissen Teil auf Kosten des Interesses am ganzen Meisterschaftsrennen. Aber besser ist besser, sagen sich unsere verantwortlichen Männer, die die erste Kriegsmeisterschaft unbedingt rechtzeitig unter Dach und Fach bringen wollen. Schließlich muß man ja auch damit rechnen, daß künftig noch dieser oder jener Spielsonntag zu Wasser werden kann. Die Jenaer hatten bislang von 7 ausgetragenen Spielen nicht weniger als 5 auswärts ausgetragen. Dieser "Leckerbissen" Dessau tat denn der Jenaer Fußballgemeinde auch recht wohl. Der Kampf hatte naturgemäß sehr unter der hohen Schneedecke zu leiden. Es war ein typischer Rivalenkampf, der keine Hochleistungen zuwege brachte. Aber das Plus, das diesmal die bessere Mannschaftsarbeit der ohne Hoffmann (mit Ganz) spielenden Jenaer hatte, verhalf den Gastgebern zu einem unbedingt verdienten Siege, wenn Dessau 05 (mit Ersatz) auch das Ehrentor ebenso verdient gehabt hätte. Mittelläufer Werner und Mittelstürmer Bachmann waren in dem harten, aber im ganzen kameradschaftlich durchgeführten Kampfe die glücklichen Torschützen. Nachdem nun Dessau 05 3 Jahre lang hintereinander den Meistertitel innehatte, hat es jetzt den Anschein, als ob diesmal Jena das Rennen macht. Und eine schlechte Rolle würde die Jenaer Mannschaft im entscheidenden Kampf der Großen bestimmt nicht spielen.
(Georg. im "Kicker" vom 30. Januar 1940)
Nun wird wohl auch der Ungläubigste nicht bezweifeln können, daß sich diesmal der 1. SV Jena mit Recht Hoffnungen auf die Gaumeisterschaft im Fußball machen darf, nachdem er den Meister des Vorjahres klar mit 2:0 schlagen konnte und im Vorkampf schon einen Punkt errang. Ferner werden sich die Jenaer nun gleichfalls von der guten und beständigen Form des 1. SV überzeugt haben, die ein Begleiter auf den auswärtigen Spielen schon lange feststellen konnte. Zugegeben, die Umstände, unter denen dieses Spiel am Sonntag ausgetragen wurde, waren denkbar ungünstig und erlaubten vor allem nicht, daß die Jenaer ihr ganzes Können offenbarten. Dennoch trat deutlich zutage: die gute Technik des 1. SV - sie war besser als die Dessaus - das systemvollere Spiel namentlich im Sturm und die große Kampfkraft der Jenaer, die verbissen um den Sieg rangen.
Dessau - nein, schlecht sind die 05er auch heute noch nicht, das haben sie in Jena gezeigt, aber man kann ihnen heute den Schneid eher denn früher abkaufen, wenn man ihren Ungestüm von Anfang an abdämmt, wie das diesmal den Jenaern besser als im Vorspiel gelang. Schnell waren die Leute aus der Junkersstadt trotz des kräfteraubenden Schneebodens, aber von Anfang an deckte Jena konsequent, namentlich Schmeißer wurde liebevoll bewacht. So kam es, daß die gefährlicheren Angriffe von Jena ausgingen, die auch zu Toren führten, während Dessau solche klaren Gelegenheiten nicht herausarbeiten konnte.
Zuerst die Aufstellungen :
Wie es bei der Bedeutung des Spiels verständlich ist, waren die stärksten Einheiten aufgeboten, bei Dessau fehlte nur Weißenborn, der nicht heranzuholen war, bei Jena wurde der diesmal noch gesperrte Hoffmann ersetzt. Ziegler, der in Dessau als Rechtsaußen stürmte, rückte also an die Stelle von Bake, während im Sturm in Nelson ein neuer Mann mitwirkte. Das ist aber jetzt Dessaus Standardaufstellung, da Sänger auch regelmäßig Weißenborn ersetzt.
Gans - bei Jena - ersetzte den für Hoffmann links spielenden Schönborn recht gut, er ist noch immer der gute Techniker und spielte gleich den anderen mit vollem Einsatz.
Erfreulich war der gute Besuch, der den von Dessau weit überstieg; es mögen etwa doppelt so viel dagewesen sein. Die Jenaer werden nicht enttäuscht gewesen sein, wenn man bei solchem Boden auch nicht das schöne Kombinationsspiel der Jenaer wie sonst sehen kann und wenn man gegen Ende das Nachlassen der Kräfte erleben mußte.
Dessau blieb bei seiner alten Taktik: den Gegner gleich überrumpeln zu wollen, um dadurch einige Tore vorzulegen. Aber daraus wurde nichts. Wohl kam Dessau zuerst gefährlich durch, und Patzl erlebte gleich die Tücken des Bodens, der den Lauf des Balles hemmte. Ein Raunen ging durch die Menge, als Jena zuerst vor Dessaus Tor kam und es bei einem Zusammenspiel Schönborn-König brannte - man bekam eine Ahnung von kommenden guten Jenaer Angriffen.
Aber die Dessauer hatten nicht umsonst wieder ihren Tormann Kaßler mitgebracht, den wir unbedingt für besser als Müllner halten: dieser Mann war es, der mit seinen Paraden (schöne Hechtsprünge) und mit seinem außerordentlich sicheren Fangen den Gaumeister vor einer höheren Niederlage bewahrte. So hechtete er gleich zu Beginn bei einem steilen Durchspiel Schulschefskys, wobei er mit Bachmann zusammenprallte.
Auf der Gegenseite stoppte Schüßler Niemann, der gute Bewachung erforderte, und Trenkel setzte einen Weitschuß daneben. Da war Gans schon gefährlicher, dessen Schuß knapp über die Latte ging, nachdem er den sich etwas schwer tuenden Henze abgehängt hatte.
Aber es sollte noch besser kommen: wieder mußte sich Kaßler mit weitem Hechtsprung vor Königs Füße werfen, aber er bekam das Leder nicht fest, und Gehlert lenkte in Not zur ersten Ecke.
Wenn man jetzt schon eine Art Bilanz ziehen wollte, so ergab sich eine offensichtliche Nervosität Dessaus, das sich der Schwere der Aufgabe bewußt war. Jena ging mit weit mehr Ruhe an den Aufbau und war durch zügigere Angriffe im Vorteil, während Dessau seine Schnelligkeit und vor allem die Schußkraft Trenkels einsetzte.
Schüßler vertraute stark auf die Sicherheit Patzls, als er äußerst scharf und nur knapp neben das Tor zurückspielte. Beim zweiten Male gab es dabei eine Ecke! Immerhin war die Ueberlegung richtig: wenn bei solchem Boden ein Rückspiel, dann scharf, sonst bleibt der Ball stecken, und es gibt ein Ueberraschungstor (wie in Dessau im Vorkampf).
Jenas erste große Torgelegenheit gab es in der 24. Minute: nach einer schönen Kombination blieb Bachmann gegen zwei Dessauer Sieger und hatte nur noch Kaßler vor sich, der aber blitzschnell herauslief und bewirkte, daß Jenas Mittelstürmer neben das Tor schoß.
Nachdem Kaßler mit Fußabwehr vor Schulschefsky gerettet hatte, verschuldete Sänger einen Strafstoß wegen Hand, den aber Werner hoch drüber setzte.
Und dann hatte Dessau die wohl beste Torgelegenheit des Spieles: nachdem kurz vorher ein gefährlicher Schuß Schmeißers von Schüßler abgeprallt war, Schoß Emmerich direkt scharf aufs Tor. Der Ball sprang über den sich werfenden Patzl und wäre ins Tor gegangen, wenn der einsatzfreudige Schüßler ihn nicht auf der Linie fortgeschlagen hätte (32.Minute).
Und bald darauf war die zweite ausgezeichnete Torgelegenheit Jenas fällig: ein Flankenball von Schönborn wurde von Schulschefsky und Bachmann ausgelassen, aber Gans war zur Stelle, und nur ein abermaliger fabelhafter Hechtsprung Kaßlers konnte das Führungstor verhindern.
Nachdem eine schöne steile Vorlage Werners von Schulschefsky nur zu schwach aufs Tor geschossen wurde, wurde zwei Minuten vor Seitentausch Jenas erstes Tor erzielt: es war eine blitzsaubere Angelegenheit. Schönborn zirkelt einen Strafstoß auf Schulschefskys Kopf, und dieser lenkt den Ball elegant an Dessaus Deckung vorbei auf den freien Raum - ein kurzer Start Bachmanns, und unhaltbar sitzt das Leder im Netz.
Als nach dem Wechsel der 1. SV wieder unaufhaltsam davonzog und Dessau einschnürte, da dachten wir an den Vorkampf in Dessau, wo Jena in der zweiten Hälfte den Gaumeister vollkommen überspielte. Und es dauerte auch diesmal nicht lange - vier Minuten waren vergangen -, als das zweite Tor fiel: Schönborn schoß eine Ecke sauber vors Tor, der Ball wanderte von Schipphorst über König zu Werner, und dieser setzte einen scharfen Weitschuß in die lange Ecke.
Jena drängte weiter, zweimal wird der große Techniker Schulschefsky gefährlich, zuerst schießt er aus der Luft, dann kann Kaßler seinen Schuß noch über die Latte lenken. Auch König läßt einen herzhaften Schuß los.
Dann aber hatte der Gaumeister Glück, als ein Ball Schulschefskys an die Latte knallte, und Kaßler den abgeprallten Ball vor Bachmann an sich brachte.
Aber Jenas Druck hielt nicht an, denn schon machten sich die großen Kraftanstrengungen bemerkbar. Dessau konnte nun schöne Angriffe durchbringen, die vielleicht ein Tor wert gewesen wären. Aber Patzl ließ das nicht zu. So faustete er einen gefährlichen Flankenball von links mit einer Hand fort.
Aber auch Kaßler mußte wieder alle Kunst aufbieten, um sich einen Schuß von Gans in die lange Ecke zu holen. Dann war es abermals Patzl, der mit einer Hand das Leder über die Latte lenkte. Und nach dem Eckstoß köpfte Beckert den Ball sauber aus der Torzone.
Der Eifer des Gaumeisters sei anerkannt. Schmeißer arbeitete verbissen und schickte den Sturm vor. Es wurden auch einige Ecken erzielt, die zum Teil bildschön hereingegeben wurden. Manthey und sogar Gehlert gingen zur Offensive über, aber Tore schaffte Dessau nicht, obwohl eins nicht unverdient gewesen wäre. Gefährlich war noch ein Kopfball Nelsons.
Auch von Jena wurden gute Angriffe durchgebracht, aber sowohl gegen Schulschefsky wie auch gegen König bleibt der sehr schnell reagierende Kaßler Sieger, Königs Ball kann er aber nur noch über die Latte lenken.
Jenas Elf verdient ein Gesamtlob, ihr kämpferischer Einsatz war ohne Tadel. Patzl wurde nicht so auf die Probe gestellt wie Kaßler, einige gefährliche Bälle parierte er gut. Von den guten Verteidigern war Schüßler besonders lebhaft. In der Läuferreihe fiel die Ausdauer des unverwüstlichen Schipphorst auf. Werner spielte wieder betont offensiv, wodurch er ein Tor schießen konnte. Beckert merkte man seine Krankheit noch etwas an. Im Sturm war Schönborn bis zum Ende sehr schnell, der Innensturm zeigte ein gutes Stellungsspiel. König machte der Boden wohl am meisten zu schaffen, zumal er mit dem überraschend schnellen Schulschefsky anfangs viel hinten aushelfen mußte, als Dessau noch stark war. Obwohl Gans lange nicht in der ersten Elf gestanden hatte, fügte er sich gut ein, eine technisch so beschlagene Elf liegt ihm auch. Bei Dessau hätten wir neben Kaßler vor allem Manthey zu nennen, der offensive Mittelläufer spielte und unermüdlich schaffte, allerdings noch immer sehr hart ist. Gehlert als Stopper arbeitet erfolgreicher als die Verteidigung, die nach wie vor Dessaus Sorgenkind ist. Auch der Sturm hat an Durchschlagskraft verloren. Schmeißer und Niemann sahen wir schon besser. Von den neuen Leuten (Emmerich, Nelson und Trenkel), ist der ehemalige Piesteritzer am hervorstechendsten, Trenkel hatte auch bei dem Boden körperliche Vorteile. Seine gefürchteten Schüsse waren aber wie die von Schmeißer nicht genau genug. Schiedsrichter Fischer- Weimar kam bei dem im allgemeinen anständigen Spiel nicht in schwere Bedrängnis. Er leitete unauffällig. Die Bedeutung des Spiels wurde unterstrichen durch die Anwesenheit des Bereichsfachwart Hädicke-Halle und des Bereichssportlehrers Tauchert, die mit dem 1. SV sehr zufrieden waren. Da auch, wie fast vorauszusehen, der 1.SV Gera gegen Weida verlor, ist die Stellung des 1.SV Jena besser denn je. Der schwerste Kampf wird noch das Rückspiel gegen Weida sein, denn wir halten diese Elf neben Dessau für die stärkste Einheit, während die Geraer nur bei voller Mannschaft gefährlich sind, aber die wird ihnen jetzt kaum zur Verfügung stehen. Am nächste Sonntag hoffen wir auf einen glatten und vielleicht auch zahlenmäßig hohen Sieg des 1.SV über den SV 99 Merseburg.
(Bericht von W. Menzel in der Jenaischen Zeitung vom 29.01.1940)
andere Spiele
- VfL Halle 96 : 99 Merseburg 5:0
- 1.SV Gera : Thüringen Weida 0:4
- CV Magdeburg : Spfr. Halle 5:0