1979/1980 22. Spieltag: BSG Wismut Aue - FC Carl Zeiss Jena 0:1
Spieldaten | |
Wettbewerb | DDR-Oberliga, 22. Spieltag |
Saison | Saison 1979/1980, Rückrunde |
Ansetzung | BSG Wismut Aue - FC Carl Zeiss Jena |
Ort | Otto-Grotewohl-Stadion in Aue |
Zeit | Sa. 19.04.1980 15:00 Uhr |
Zuschauer | 6.000 |
Schiedsrichter | Klaus Scheurell (Wusterhausen) |
Ergebnis | 0:1 |
Tore |
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Aufstellungen
- Aue
- Ulrich Ebert
- Hans Schykowski
- Günter Seinig, Wolfgang Höll, Ralph Kraft
- Wolfgang Körner, Holger Erler (7. Uwe Lein), Thomas Teubner
- Harald Mothes, Dieter Schüßler, Frank Stein (76. Andreas Pekarek)
Trainer: Manfred Fuchs
- Jena
- Hans-Ulrich Grapenthin
- Rüdiger Schnuphase
- Gert Brauer, Konrad Weise, Lothar Kurbjuweit
- Gerhardt Hoppe, Andreas Krause, Lutz Lindemann
- Martin Trocha (81. Thomas Töpfer), Jürgen Raab, Eberhard Vogel (72. Dietmar Sengewald)
Trainer: Hans Meyer
Spielbericht
Erst im Schlußspurt echter Wismut Geist
Der Schreck fuhr den Wismut-Akteuren tief in die Glieder und lähmte jegliche Spielfreude bis in die zweite Halbzeit hinein. "Lindemann versuchte den Ball im Hineingrätschen zurückzuspielen und erwischte mich dabei am linken Knöchel. Er war innerhalb weniger Sekunden faustdick angeschwollen." Kaum hatte das für Wismut so bedeutungsvolle Spiel begonnen, da mußte es Holger Erler leider von der Bank aus verfolgen. Was er dabei sah, war alles andere als ermutigend. Der Gastgeber suchte krampfhaft und ohne Aussicht auf Erfolg nach Harmonie und Spielverständnis, nach einem Akteur von ähnlich regiegestaltenden Qualitäten wie sie Erler nun einmal besitzt. Erst recht, nachdem Schnuphase - vorausgegangen war Seinigs unbeherrschte Reaktion im Strafraum gegen Trocha - die Chance zum 1:0 für Jena vom Elfemeterpunkt aus entschlossen beim Schopfe gepackt hatte. Aues Mannschaftsleiter Lothar Spitzner zu diesem spielentscheidenden Vorgang: "Der Jenaer Flügelstürmer konnte nicht mehr torgefährlich werden. Was hat sich Seinig bloß gedacht, als er ihm die Beine wegschlug?"
Aus der Misere eine Tugend zu machen, kämpferischen Elan in einigermaßen systemvolle Aktionen einfließen zu lassen, gelang den Erzgebirglern ohne Erler (und ohne den letztmals nicht einsatzberechtigten Escher!) nicht einmal andeutungsweise. Verwirrung in der Abwehr wo das schlechte Distanzieren von H. Schykowski auffällig war, taktische Gleichförmigkeit im Mittelfeld, erschreckende Zaghaftigkeit über 45 Minuten hinweg in der Angriffsführung. So läßt sich Wismuts Spiel am besten und ehesten auf einen Nenner bringen. Die Sorge, vom kämpferischen Ausbruch des Gegners in Bedrängnis zu geraten, war Jena auf diese Weise lange Zeit genommen. Das spürten Schnuphase, Weise und Kurbjuweit, die das Spiel systemvoll aus der Deckung heraus in Bewegung brachten, nur allzuschnell. Und niemand hätte sich über weitere Treffer der Gäste bis zum Wechsel bei besten Einschußmöglichkeiten für Trocha und Raab zu wundern brauchen.
Daß Wismut am Ende einen Vorteil im Eckenverhältnis errang, spricht im gewissen Sinne für keinesfalls verlorengegangene Moral. Aber vom Kurs stereotypen Spiels kam die Elf auch in ihrer besten Zeit gleich nach Wiederbeginn sowie im entschlossenen Schlußspurt nicht ab. Das erleichterte die Aufgabe des Klubs, seinen knappen Vorsprung über die Distanz zu bringen. "Wir gingen bei den vielen hohen Eingaben nicht energisch genug ´zur Sache´, verschanzten uns nun auch zu stark vor dem eigenen Strafraum. Das machte Wismut Hoffnung", bemerkte Zeiss-Trainer Helmut Stein. Grapenthin machte sie zunichte, als Kraft (agilster, dynamischster Auer Akteur) sowie Schüßler in gute Positionen kamen (64., 81.). Da flackerte endlich etwas von jenem Geist auf, den Wismut in den kommenden Wochen zur Verhinderung weiteren Übels unbedingt benötigt!
Zum Schiedsrichterkollektiv: Scheurell leitete großzügig, hatte das Spiel im Griff.
(Dieter Buchspieß in "Die Neue Fußballwoche" vom 22. April 1980)
Nachwuchs: 1:2 , Tore : Preiß / Sengewald , Dern
Jugend / Junioren - Jena : Halle 1:1 / 2:2